Die Klimatisierung ist die unsichtbare Lebensversicherung eines jeden Laborcontainers. Sie entscheidet darüber, ob Analysen reproduzierbar sind, ob Mitarbeiter sicher arbeiten können und ob empfindliche Geräte zuverlässig funktionieren. Trotzdem wird das Thema in der Planungsphase häufig unterschätzt – mit Folgen, die von ungenauen Messergebnissen bis hin zu behördlichen Auflagen reichen.
Die Herausforderung: Ein Laborcontainer ist kein Bürocontainer. Die thermischen Lasten durch Laborgeräte, die Anforderungen an Luftreinheit und Luftwechsel, die normativen Vorgaben für Gefahrstoffarbeitsplätze – all das macht die technische Fachplanung der Raumlufttechnik zu einer der anspruchsvollsten Aufgaben im gesamten Projektablauf.
Dieser Leitfaden richtet sich an technische Leiter, Qualitätsmanager und Planer, die ein Laborcontainer-Projekt vorbereiten. Er fasst die relevanten Normen zusammen, erklärt die technischen Zusammenhänge und gibt konkrete Planungswerte an die Hand – von der Laborausstattung bis zur Wartungsstrategie.
Die 5 Säulen der Laborcontainer-Klimatisierung
Normative Grundlagen: DIN 1946-7, TRGS 526 und weitere Regelwerke
Die Planung der Raumlufttechnik in Laborcontainern folgt einem Geflecht aus Normen, technischen Regeln und Branchenstandards. Die beiden zentralen Dokumente sind die DIN 1946-7 und die TRGS 526 – aber sie sind bei weitem nicht die einzigen.
DIN 1946-7: Raumlufttechnik in Laboratorien
Die DIN 1946-7 ist die maßgebliche Norm für die raumlufttechnische Planung von Laborräumen in Deutschland. Sie definiert Mindestanforderungen an Luftvolumenströme, Temperatur, Feuchte und Raumdruckverhältnisse. Zentrale Vorgaben:
- Mindest-Außenluftrate: 25 m³/h pro Person, zusätzlich prozessbedingte Volumenströme für Abzüge und Absaugungen
- Luftwechselrate: Mindestens 8-facher Luftwechsel pro Stunde in Laborräumen, bei geschlossenen Abzügen auch weniger möglich
- Temperaturbereich: 20 bis 26 °C, abhängig von der Raumnutzung und der Jahreszeit
- Relative Feuchte: 30 bis 65 % – mit engeren Bereichen je nach Labortyp
- Raumdruck: Labor grundsätzlich im Unterdruck gegenüber Verkehrsflächen (Flure, Treppenhäuser)
Für Laborcontainer ist die Norm besonders relevant, weil die kompakte Bauweise die Einhaltung der Luftwechselraten erschwert. Auf 20 bis 60 m² Grundfläche müssen Zuluft, Abluft und Umluft so verteilt werden, dass keine Kurzschlussströmungen entstehen und alle Arbeitsplätze gleichmäßig belüftet werden. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen einer Standard-Klimaanlage und einem durchdachten TGA-Konzept.
TRGS 526: Laboratorien – Technische Regel für Gefahrstoffe
Die TRGS 526 konkretisiert die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung für Laboratorien. Sie ist kein optionaler Ratgeber, sondern eine verbindliche technische Regel. Für die Klimatisierung von Laborcontainern sind folgende Punkte entscheidend:
- Absaugung an der Entstehungsstelle: Gefahrstoffe müssen dort erfasst werden, wo sie freigesetzt werden – typischerweise am Laborabzug oder an der Punktabsaugung
- Technische Lüftung als Grundanforderung: Natürliche Lüftung (Fenster) reicht für Laborcontainer mit Gefahrstoffarbeitsplätzen nicht aus
- Rückhaltesichere Abluftführung: Die Abluft aus Gefahrstoffbereichen darf nicht in die Zuluft anderer Räume gelangen
- Überwachung: Permanente Überwachung des Volumenstroms an Abzügen, mit optischer und akustischer Alarmmeldung bei Unterschreitung
In einem Laborcontainer bedeutet das: Die Lüftungsanlage muss so ausgelegt sein, dass die Abzüge bei voller Frontschieber-Öffnung den geforderten Frontalgeschwindigkeitsbereich von 0,3 bis 0,5 m/s einhalten – bei gleichzeitiger Einhaltung der Raumluftbedingungen. Das ist auf engem Raum eine echte Planungsherausforderung, die erfahrene Fachberater erfordert.
Weitere relevante Regelwerke
| Regelwerk | Anwendungsbereich | Relevanz für Laborcontainer |
|---|---|---|
| DIN EN ISO 14644 | Reinräume und Reinraumbereiche | Pflicht bei GMP-, Pharma- und Halbleiter-Laboren |
| VDI 2083 | Reinraumtechnik | Ergänzt ISO 14644 mit deutschen Spezifikationen |
| ASR A3.6 | Lüftung in Arbeitsstätten | Grundanforderung für jeden Arbeitsplatz |
| DIN EN 14175 | Laborabzüge | Dimensionierung und Prüfung der Abzugsleistung |
| TRBA 100 | Biologische Arbeitsstoffe | Lüftungsanforderungen für BSL-2/BSL-3-Labore |
| EU-GMP Annex 1 | Sterile Arzneimittelherstellung | Reinraumklassen A–D mit Partikelgrenzwerten |
| SIA 382/1 (Schweiz) | Lüftungs- und Klimaanlagen | Schweizer Pendant zu DIN 1946-7 |
| ÖNORM H 6020 (Österreich) | Lüftungstechnische Anlagen | Österreichische Anforderungen an Laborlüftung |
Temperaturkontrolle: Mehr als nur „angenehm warm"
In einem Büro ist die Temperatur eine Komfortfrage. In einem Labor ist sie ein Qualitätsparameter. Viele analytische Methoden – von der HPLC über die Titration bis zur Waage – liefern nur dann reproduzierbare Ergebnisse, wenn die Umgebungstemperatur stabil bleibt. Die Leistungsfähigkeit eines Laborcontainers steht und fällt mit der Temperaturkonstanz.
Anforderungen nach Labortyp
| Labortyp | Temperatur | Toleranz | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Standardlabor | 20–25 °C | ± 2 K | Routineanalytik, Probenvorbereitung |
| Analytiklabor (akkreditiert) | 20–23 °C | ± 1 K | HPLC, GC-MS, Spektroskopie |
| Wägeraum | 20–22 °C | ± 0,5 K | Mikro-/Analysenwaagen |
| Reinraum (GMP) | 18–22 °C | ± 1 K | Pharma, Sterilitätsprüfung |
| BSL-2/BSL-3 Labor | 20–24 °C | ± 2 K | Mikrobiologie, Virologie |
| Kühlraum / Kaltraum | 2–8 °C | ± 2 K | Probenlagerung, Bioproben |
Thermische Lasten im Laborcontainer
Die Kühllastberechnung für einen Laborcontainer unterscheidet sich grundlegend von der für ein konventionelles Laborgebäude. Die kompakte Bauweise und die im Verhältnis zur Grundfläche großen Außenwandflächen führen zu hohen spezifischen Wärmelasten. Typische Wärmequellen:
- Laborgeräte: Ein Trockenschrank bringt 500 bis 2.000 W, eine HPLC-Anlage 300 bis 800 W, ein Autoklav bis zu 3.000 W innere Wärmelast
- Beleuchtung: 15 bis 25 W/m² bei LED, bis 50 W/m² bei Leuchtstoffröhren
- Personen: 80 bis 120 W pro Person (sensibel) bei leichter Labortätigkeit
- Solarstrahlung: Bis zu 200 W/m² auf die Containeraußenhaut – besonders kritisch bei südexponierten Flächen und dunkler Außenfarbe
- Transmissionswärme: Trotz Isolierung (typisch 60–100 mm PU-Schaum) erheblich, da Containermodule ein ungünstiges Oberflächen-Volumen-Verhältnis haben
In Summe ergeben sich für einen typischen 30-m²-Laborcontainer Kälteleistungen zwischen 5 und 15 kW – ein Vielfaches dessen, was ein Bürocontainer gleicher Größe benötigt. Die Modulbau-Fertigung muss diese Leistung bereits in der Konstruktionsphase berücksichtigen.
Planungsfehler Nr. 1: Kälteleistung unterschätzt
Der häufigste Fehler in der Klimaplanung: Die Kühllast wird anhand von Büro-Richtwerten (50–80 W/m²) kalkuliert. In einem Labor mit Gerätebestückung liegen die inneren Lasten bei 150 bis 400 W/m². Wer hier zu knapp plant, bekommt im Sommer Temperaturdrift – und damit ungenaue Messergebnisse.
Luftwechselraten: Was die Normen fordern – und was die Praxis braucht
Der Luftwechsel ist das Herzstück der Laborlüftung. Er sorgt für Frischluft, transportiert Schadstoffe ab und hält die Raumtemperatur stabil. Die Anforderungen variieren stark nach Nutzungsart – von 4-fachem Luftwechsel in einem einfachen Prüflabor bis zum 40-fachen in einem Reinraum der ISO-Klasse 5.
| Raumtyp | Luftwechsel / Stunde | Grundlage | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Büro (Vergleich) | 2–4× | ASR A3.6 | Nur Personenbelüftung |
| Standardlabor | 8× | DIN 1946-7 | Grundanforderung ohne Abzüge |
| Labor mit Gefahrstoffen | 10–15× | TRGS 526 | Abhängig von Abzugsbetrieb |
| BSL-2 Labor | 10–12× | TRBA 100 | Unterdruck -15 Pa |
| BSL-3 Labor | 12–15× | TRBA 100 | HEPA-Abluft, Unterdruck -30 Pa |
| Reinraum ISO 7 (GMP C) | 20–40× | ISO 14644 / EU-GMP | Turbulente Mischströmung |
| Reinraum ISO 5 (GMP A/B) | 300–600× | ISO 14644 / EU-GMP | Laminare Verdrängungsströmung |
Für einen Laborcontainer mit 30 m² Grundfläche und 2,7 m Raumhöhe (Raumvolumen ca. 81 m³) bedeutet ein 10-facher Luftwechsel einen Volumenstrom von 810 m³/h. Bei einem 15-fachen Luftwechsel sind es bereits 1.215 m³/h. Diese Volumenströme müssen leise, zugfrei und energieeffizient verteilt werden – eine Aufgabe, die bei der Projektplanung frühzeitig berücksichtigt werden muss.
Unterdruckkonzepte: Wann, warum und wie
Die Raumdruckhaltung ist eines der am häufigsten missverstandenen Themen in der Laborplanung. Das Prinzip ist einfach: Ein Raum wird auf leichtem Unterdruck gehalten, damit Luft immer von „sauberen" in „kontaminierte" Bereiche strömt – nie umgekehrt. In der Praxis bedeutet das, dass bei geöffneter Tür Luft in den Laborraum hineinströmt statt heraus.
Druckkaskaden im Laborcontainer
Ein durchdachtes Unterdruckkonzept arbeitet mit einer Druckkaskade. Jeder Bereich hat einen definierten Differenzdruck zum Nachbarbereich. In einem Laborcontainer mit Schleuse sieht das typischerweise so aus:
Luftstrom folgt dem Druckgefälle: von hohem zu niedrigem Druck
Die Herausforderung in einem Laborcontainer: Die Druckkaskade muss auch bei geöffneter Tür und bei wechselnden Abzugsbetriebszuständen aufrechterhalten werden. Dafür werden Regelklappen, drehzahlgeregelte Ventilatoren und Differenzdrucksensoren eingesetzt. In BSL-2- und BSL-3-Containern ist die automatische Druckregelung sogar Pflicht.
Praxis-Hinweis: Undichtigkeiten
Ein Laborcontainer hat konstruktionsbedingt mehr potenzielle Undichtigkeiten als ein massiv gebautes Labor: Kabeldurchführungen, Medienanschlüsse, Containerverbindungen bei Doppelanlagen. Jede Undichtigkeit gefährdet die Druckhaltung. Deshalb gehört ein Blower-Door-Test zur Qualitätssicherung – idealerweise schon im Werk, nicht erst auf der Baustelle.
Filtertechnik: Von F7 bis HEPA H14
Die Luftfiltration bestimmt, was in den Laborraum hineingelangt und was ihn verlässt. Das Filtersystem gliedert sich in Zuluftfiltration (Schutz des Labors vor Außenluftverunreinigungen) und Abluftfiltration (Schutz der Umgebung vor Laborkontaminanten).
Zuluftfiltration
- Vorstufe G4 (ISO coarse): Grobstaubfilter, schützt die Lüftungsanlage und verlängert die Standzeit der Feinstaubfilter
- Hauptstufe F7 (ISO ePM1 60%): Standard-Zuluftfilter für chemische Labore, filtert Feinstaub und Pollen
- Feinstaubstufe F9 (ISO ePM1 80%): Für analytische Labore mit erhöhten Reinheitsanforderungen
- HEPA H13 (ISO 35 H): Pflicht in Reinräumen ab ISO-Klasse 7, Abscheidegrad 99,95 %
- HEPA H14 (ISO 45 H): Für Reinräume ISO-Klasse 5 und GMP-Bereiche Klasse A/B, Abscheidegrad 99,995 %
Abluftfiltration
- Aktivkohlefilter: Bei Arbeiten mit Lösemitteln, organischen Verbindungen und geruchsintensiven Substanzen – Standzeit typisch 6 bis 12 Monate je nach Belastung
- HEPA H13/H14 in der Abluft: Pflicht bei BSL-3-Laboren (Biostoffverordnung), empfohlen bei BSL-2 je nach Gefährdungsbeurteilung
- Kombination Aktivkohle + HEPA: Bei Laboren, die sowohl mit Gefahrstoffen als auch mit Biostoffen arbeiten
In einem GMP-Reinraum-Container kommen alle drei Stufen zum Einsatz: Vorstufe, Hauptstufe und endständiger HEPA-Filter direkt am Deckenauslass. Die endständige Filtration ist entscheidend, weil sie Kontaminationen aus dem Kanalnetz ausschließt.
Klimatisierung vs. Reinraum: Wo liegt die Grenze?
Nicht jeder klimatisierte Laborcontainer ist ein Reinraum – aber jeder Reinraum ist klimatisiert. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie erhebliche Auswirkungen auf Investition, Betriebskosten und Qualifizierungsaufwand hat.
| Kriterium | Klimatisiertes Labor | Reinraum-Labor |
|---|---|---|
| Partikelkontrolle | Nicht spezifiziert | ISO-Klasse 5 bis 8 |
| Zuluftfilter | F7 bis F9 | HEPA H13 / H14 |
| Luftwechsel | 8–15× | 20–600× |
| Druckhaltung | Unterdruck (optional) | Überdruck (Produktschutz) oder Unterdruck (Personenschutz) |
| Qualifizierung | Nicht erforderlich | IQ/OQ/PQ nach GMP |
| Monitoring | Temperatur, ggf. Feuchte | Partikel, Temperatur, Feuchte, Druck – kontinuierlich |
| Energieverbrauch | Mittel | Hoch bis sehr hoch |
Die Entscheidung, ob ein klimatisierter Laborcontainer ausreicht oder ob ein Reinraum-Container benötigt wird, hängt von der Anwendung ab. Für chemische Routineanalytik genügt ein klimatisiertes Labor. Für pharmazeutische Produktion, Zellkulturarbeit oder Sterilitätsprüfungen ist ein Reinraum erforderlich. Die Beratung durch Planexus klärt diese Frage in der Bedarfsanalyse – bevor investiert wird.
Energieeffizienz: 40–60 % des Stromverbrauchs optimieren
Die Klimatisierung ist der größte Einzelverbraucher im Laborcontainer. In konventionell geplanten Laboren entfallen 40 bis 60 % des gesamten Energieverbrauchs auf Lüftung, Kühlung und Heizung. Das hat direkte Auswirkungen auf Betriebskosten und CO₂-Bilanz. Für Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen ist die Energieeffizienz der Lüftungsanlage deshalb ein zentraler Hebel.
Maßnahmen zur Energieoptimierung
Wärmerückgewinnung (WRG)
Kreuzstrom- oder Rotationswärmetauscher gewinnen 60 bis 80 % der Abluft-Wärme zurück. Bei einem Laborcontainer mit 1.000 m³/h Volumenstrom spart eine WRG im Winter 5 bis 10 kW Heizleistung. Wichtig: Bei Gefahrstoff-Abluft ist nur ein Kreuzstromtauscher zulässig (keine Rückmischung).
Bedarfsgeregelte Lüftung (VAV)
Variable Air Volume Systeme passen den Luftvolumenstrom an die tatsächliche Nutzung an. Wenn kein Abzug geöffnet ist, fährt die Lüftung auf Mindest-Luftwechsel herunter. Energieeinsparung gegenüber Konstantvolumen: 30 bis 50 %. Besonders effektiv bei Laboren mit wechselnder Belegung.
EC-Ventilatoren
Elektronisch kommutierte Motoren (EC) sind 20 bis 30 % effizienter als konventionelle AC-Motoren und stufenlos drehzahlregelbar. In Kombination mit VAV-Regelung ergibt sich ein deutlicher Einspareffekt – der Energieverbrauch sinkt mit der dritten Potenz der Drehzahl.
Nachtabsenkung und Standby-Betrieb
Außerhalb der Arbeitszeiten kann der Luftwechsel auf das hygienische Minimum reduziert werden. Die Temperatur darf in einem Standby-Korridor (z. B. 16–28 °C) schwanken. Voraussetzung: keine temperaturempfindlichen Proben im Raum und keine Gefahrstofflagerung.
Containerdämmung optimieren
Standard-Container haben 60 mm PU-Schaum-Isolierung. Für Labore empfehlen wir 80 bis 100 mm mit Wärmebrückenminimierung an Bolzen, Rahmen und Durchführungen. Die Mehrinvestition amortisiert sich über geringere Kälteleistung und niedrigere Betriebskosten.
Laborabzüge im Container: Dimensionierung und Integration
Laborabzüge sind die primären Schutzeinrichtungen für Arbeiten mit Gefahrstoffen. In einem Laborcontainer stellen sie besondere Anforderungen an die Lüftungsplanung, weil sie den größten Einzelverbraucher an Abluft darstellen. Ein einziger Abzug mit 1,20 m Breite benötigt bei geöffnetem Frontschieber einen Volumenstrom von 600 bis 900 m³/h – bei einem Containerraumvolumen von etwa 80 m³ bedeutet das einen 8- bis 11-fachen Luftwechsel allein durch den Abzug.
Frontalgeschwindigkeit nach DIN EN 14175
Die Frontalgeschwindigkeit am Abzugsfrontschieber ist der zentrale Leistungsparameter. Die DIN EN 14175 und die TRGS 526 fordern:
- Normalbetrieb: 0,3 bis 0,5 m/s bei maximaler Öffnungshöhe (typisch 500 mm)
- Reduzierter Betrieb: Mindestens 0,2 m/s bei geschlossenem Frontschieber (Spülluft)
- Alarm: Optischer und akustischer Alarm bei Unterschreitung des Mindestvolumenstroms
Bei der Integration in einen Laborcontainer muss die Zuluftführung so geplant werden, dass keine Querströmungen die Abzugsleistung beeinträchtigen. Die Zuluftauslässe sollten hinter dem Arbeitsplatz liegen, sodass die Raumluft an der Person vorbei zum Abzug strömt. Details zur Integration finden Sie in unserem Projektablauf-Leitfaden.
Luftfeuchte: Unterschätzter Faktor in der Laborplanung
Die relative Luftfeuchte beeinflusst Analysen, Materialien und den Korrosionsschutz im Labor. Die DIN 1946-7 gibt einen Rahmen von 30 bis 65 % r. F. vor. In der Praxis sind die Anforderungen je nach Anwendung deutlich enger:
- Standardlabor: 40–60 % r. F. – ein Bereich, der mit einer guten Klimaanlage in den meisten Fällen eingehalten werden kann
- Wägeraum: 45–55 % r. F. – für Analysenwägungen mit Auflösungen unter 0,1 mg kritisch, da hygroskopische Proben bei Feuchteschwankungen Massedrift zeigen
- Zellkulturlabor: 50–60 % r. F. – zur Vermeidung elektrostatischer Aufladung und Austrocknung
- Elektronik-Labor: 30–50 % r. F. – ESD-Schutz bei gleichzeitiger Korrosionsvermeidung
In einem Laborcontainer ist die Feuchteregelung anspruchsvoller als in einem Massivbau, weil die Speichermasse fehlt. Die Metallstruktur des Containers puffert keine Feuchte. Das bedeutet: Jede Feuchteänderung wirkt sofort auf das Raumklima. Für enge Toleranzen sind aktive Befeuchtungs- und Entfeuchtungssysteme erforderlich.
Wartung und Instandhaltung: Intervalle, Pflichten, Dokumentation
Eine Lüftungsanlage im Laborcontainer ist kein „Set-and-forget"-System. Sie erfordert regelmäßige Wartung, Filterwechsel und Leistungsüberprüfungen. Vernachlässigte Wartung führt zu sinkender Luftleistung, steigenden Energiekosten und – im schlimmsten Fall – zu Verstößen gegen Arbeitsschutzvorschriften.
| Maßnahme | Intervall | Grundlage | Durchführung |
|---|---|---|---|
| Sichtkontrolle Filter | Monatlich | VDI 6022 | Betreiber / Haustechnik |
| Filterwechsel Vorstufe (G4) | 3–6 Monate | Differenzdruck | Haustechnik / Fachfirma |
| Filterwechsel Hauptstufe (F7/F9) | 6–12 Monate | Differenzdruck | Fachfirma |
| HEPA-Filtertest (Lecktest) | 12 Monate | ISO 14644-3 | Zertifizierter Prüfer |
| Aktivkohle-Filterwechsel | 6–12 Monate | Breakthrough-Test | Fachfirma |
| Abzugsüberprüfung | 12 Monate | DGUV-I 213-850 | Sachkundiger / Prüfer |
| Kältemittel-Kontrolle | 12 Monate | F-Gase-Verordnung | Zertifizierter Kältetechniker |
| Hygiene-Inspektion RLT | 24 Monate | VDI 6022 | Hygiene-Sachkundiger |
Die Logistik und Montage bei Planexus beinhaltet die Erstellung eines Wartungsplans, der exakt auf die verbauten Komponenten abgestimmt ist. So wissen Betreiber von Anfang an, welche Intervalle gelten und wer zuständig ist.
Besonderheiten in der Schweiz und Österreich
Für Projekte in der Schweiz und Österreich gelten teilweise andere Normen und Regelwerke. Die technischen Anforderungen sind vergleichbar, aber die Bezugsnormen unterscheiden sich:
- Schweiz: SIA 382/1 ersetzt DIN 1946-7 als Lüftungsnorm. Die SUVA-Richtlinien ergänzen den Arbeitnehmerschutz. EKAS-Richtlinien regeln den Umgang mit Gefahrstoffen. Für GMP-Anwendungen gelten die gleichen EU-Vorgaben (Annex 1), da die Schweiz den Mutual Recognition Agreement (MRA) mit der EU hat.
- Österreich: Die ÖNORM H 6020 regelt lüftungstechnische Anlagen. Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) und die Grenzwerteverordnung (GKV) ersetzen TRGS 526. Die OIB-Richtlinien definieren Brandschutzanforderungen an die Lüftung. Für akkreditierte Labore gilt die ÖNORM EN ISO 17025.
Planexus plant und liefert Laborcontainer für den gesamten DACH-Raum. Wir kennen die lokalen Normunterschiede und berücksichtigen sie bereits in der Fachplanungsphase. So vermeiden Sie Überraschungen bei der Abnahme.
Praxisbeispiel: Klimakonzept für einen 40-Fuß-Chemielabor-Container
Um die Theorie greifbar zu machen, durchlaufen wir die Klimaplanung für einen typischen Laborcontainer: Ein 40-Fuß-Modul (ca. 30 m²) für chemische Analytik mit einem Laborabzug, einer HPLC-Anlage und einem Trockenschrank.
Planungsdaten
Grundfläche
30 m² (12,0 × 2,5 m netto)
Raumhöhe
2,7 m licht
Raumvolumen
81 m³
Arbeitsplätze
2 Personen
Innere Wärmelast (Geräte)
ca. 3.500 W
Abzug 1,20 m Breite
750 m³/h Abluft
Gesamtluftmenge (10× LW)
810 m³/h
Kälteleistung (berechnet)
8,5 kW
Heizleistung
4 kW (elektrisch)
Druckhaltung
-15 Pa (Unterdruck)
In diesem Beispiel dominiert der Abzug die Luftmenge: 750 von 810 m³/h entfallen auf den Abzug allein. Die restlichen 60 m³/h decken die Personenbelüftung. Die Zuluft wird über Deckenauslässe im hinteren Bereich des Containers eingeblasen, strömt an den Arbeitsplätzen vorbei und wird am Abzug und über eine Überströmung zur Abluft abgesaugt. Die Kälteanlage – ein Split-Klimagerät mit 10 kW Kälteleistung – kühlt die Zuluft auf 16 °C vor, bevor sie in den Raum gelangt.
Smart Lab: Digitale Überwachung der Klimatisierung
Moderne Laborcontainer setzen auf digitale Überwachungs- und Steuerungssysteme, die alle klimarelevanten Parameter in Echtzeit erfassen. Eine Smart Lab Integration ermöglicht:
- Echtzeit-Monitoring: Temperatur, Feuchte, Druck und Volumenstrom auf einem Dashboard – lokal und remote
- Automatische Alarmierung: Grenzwertüberschreitungen werden sofort per E-Mail oder SMS gemeldet
- Historische Daten: Trenddarstellung und Auswertung für Qualitätsmanagement und Audits
- Predictive Maintenance: Filterstandzeit-Vorhersage anhand von Differenzdruck-Trends – Filterwechsel bevor die Leistung nachlässt
- GMP-konformes Datenlogging: Manipulationssichere Aufzeichnung nach 21 CFR Part 11 / EU-GMP Annex 11
Gerade in Laborcontainern, die oft dezentral oder an wechselnden Standorten betrieben werden, ist die Fernüberwachung ein entscheidender Vorteil. Betreiber können die Klimawerte jederzeit prüfen, ohne vor Ort sein zu müssen – und bei mobilen Laborlösungen ist das besonders wichtig.
Checkliste: Klimatisierung richtig planen
Die folgende Checkliste fasst zusammen, welche Punkte in der Planungsphase geklärt werden müssen. Sie dient als Gesprächsgrundlage für das Erstgespräch mit dem TGA-Planer.
Planungs-Checkliste Klimatisierung
Fazit: Klimatisierung ist kein Komfort – sie ist die Grundlage
Die Klimatisierung eines Laborcontainers ist keine Komfortfrage. Sie ist eine technische Grundanforderung, die über die Nutzbarkeit des gesamten Labors entscheidet. Wer hier spart, spart an der falschen Stelle – denn ungenaue Messergebnisse, Mitarbeitergesundheit und behördliche Auflagen kosten im Nachhinein ein Vielfaches der eingesparten Planungsleistung.
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Planung ist ein Laborcontainer in der Lage, die gleichen klimatechnischen Standards zu erreichen wie ein konventionelles Laborgebäude – bei deutlich kürzerer Realisierungszeit und höherer Flexibilität. Entscheidend ist, dass die TGA-Fachplanung von Anfang an in den Projektablauf integriert wird – nicht als nachträglicher Anhang, sondern als paralleler Planungsstrang.
Planexus übernimmt die komplette Klimaplanung für Laborcontainer: von der Bedarfsanalyse über die Kältelastberechnung bis zur Inbetriebnahme und Dokumentation. Wir planen nach DIN 1946-7, TRGS 526 und den jeweils relevanten Branchennormen – für den gesamten DACH-Raum.
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